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Magerfett

Viele Menschen mögen sich nicht.

Dabei wird man doch eigentlich mit dem Gedanken geboren, dass man selbst in Ordnung, sogar liebenswert ist. Und das stimmt. Egal, ob ich mehr oder weniger wiege, dicker oder dünner, dümmer oder klüger, größer oder kleiner bin. Wir haben es verdient, dass wir von uns selbst geliebt werden. Jaja, liest man ständig und überall. Aber nicht oft genug. Also noch einmal: Du bist toll. Danke, dass es dich gibt.

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Ehrlich gesagt finde ich mich auf diesem Bild hübsch. Was nicht damit zusammenhängt, dass ich hier besonders glücklich gucke (tu ich nicht) oder besonders aussehe, wie ich eben aussehe (tu ich auch nicht). Ich habe zu dieser Zeit kaum gegessen, damit ich so aussehe. Klar, trotzdem ist das nicht „mager“ oder „fett“. Manche Körper passen nicht in die Vorstellung davon, wie sie aussehen, wenn man sie nicht genug versorgt.
Außerdem gab es in der gleichen Situation ca. 20 Fotos, auf denen ich mich nicht mochte. Weil die Haare nicht so schön geweht haben, weil mein Mund komisch war, weil ich „dick“ aussah (Natürlich nur nach meinem dummen, subjektiven Empfinden).
Ich mag das Bild. Nico hat es im L.A.-Urlaub gemacht, die Situation war lustig, ich habe mich wohlgefühlt. Ich mag die Schuhe, ich mag, dass eine Socke runtergerutscht ist, die Palmen und den Wind. Das war ein schöner Tag. In einem schönen Urlaub.

Inzwischen esse ich seit einem Jahr wieder alles, worauf ich Lust habe. Was in meinem Fall bedeutet, dass es ständig Süßigkeiten und Schokolade gibt. 😀 Und genauso oft etwas Gesundes. Ich habe Spaß am Kochen, am Sport weniger – manchmal kann ich mich trotzdem überwinden. Und egal, wie viele Menschen mir sagen, dass ich heute noch fast genauso aussehe … egal, dass mir die selben Kleidungsstücke passen … egal, dass das erst ein Jahr her ist. Irgendwie sehe ich mich kaum. Gefühlt bin ich heute viel dicker. Ich gebe zu, dass mich das manchmal traurig macht. Aber gefühlt bin ich auch viel glücklicher, viel intensiver fröhlich, traurig, wütend, viel weniger „ist mir doch egal“. Ich grunze wieder beim Lachen, wie ich es nun einmal mache, ich grinse wieder dümmlich durch die Gegend und ich renne wieder mit den Hunden über die Weide. Das geht nicht, wenn es nur um die Außenwirkung geht und man einfach keine Kraft hat, keine Kraft für intensive Gefühle, keine Kraft für Lachen oder Leben.

Mir ist klar, dass ich nichts Besonderes bin, kein Einzelfall, ich erzähle hier keine rührende Geschichte. Außerdem bin ich nicht mager, nicht dick, nicht schön, nicht hässlich, nicht groß und nicht klein. Und trotzdem darf ich darüber reden, dass es einen enormen Druck gibt, wie eine bestimmte „Norm“ auszusehen, die eigentlich keine Norm ist. Auch wenn ich nicht auffalle. Auch wenn sonst etwas. Jeder, der euch erzählt, dass ihr euch gut fühlen sollt, wie ihr seid, will euch etwas Gutes.

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Hier bin auch ich. Erst vor ein paar Wochen. Man sieht meine Figur nicht, das ist mir schon klar. Genau das ist der Punkt: Darum geht es nämlich gar nicht. Hier seht ihr mich. Die Haare aus dem Gesicht, in schwarz-weiß. Natürlich sehe ich meistens nicht so aus, weil ich mich nicht immer so schminke und tolle Fotografen wie Robert eben dafür sorgen, dass auf Fotos die beste Seite zu sehen ist. Trotzdem. Das bin ich. Vielleicht darf ich auch etwas über dich erfahren. Schön, dich kennenzulernen.

Rieke.

Foto 1: Urlaubsfoto
Foto 2: Robert E. Photography: https://www.facebook.com/RobertE.Photography/

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4 Kommentare zu „Magerfett

    1. Das stimmt. Es ist auch nicht so einfach, die Gedanken wieder wegzukriegen. Ich wünsche dir ganz viel Erfolg damit! Ich glaube, je mehr Zeit man mit schönen Dingen, mit Freunden oder allein verbringt (natürlich ganz ohne Spiegel, damit man nicht nach Makeln suchen kann!), desto besser geht es einem. 🙂 Letztendlich geht es darum, wie wir uns fühlen, nicht darum, was andere sehen. ❤

      Gefällt 1 Person

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